Werde ich durch pfluglose Bearbeitungsverfahren Mykotoxinprobleme bekommen?

Konservierende Bodenbearbeitungsverfahren in einer angepassten Fruchtfolge führen nach verschiedenen Untersuchungen nicht systembedingt zu einem verstärkten Auftreten von Krankheiten bei Getreide, Raps und Zuckerrüben. Ein stärkerer Befall mit der Fusarium-Ährenkrankheit geht primär auf eine enge oder ungünstige Fruchtfolge zurück.

Die im Gebiet häufig vorkommenden Fruchtfolgen Mais-Mais und Mais-Weizen sind bei pflugloser Bodenbearbeitung besonders riskant, insbesondere bei Direktsaat. In Jahren mit entsprechendem Witterungsverlauf kann es aber unabhängig vom Bodenbearbeitungs­verfahren zu hohen Mykotoxinbelastungen kommen, auch beim Pflug.

Risikofaktoren für Fusarien

Das Auftreten von Fusarien in Getreide und Mais ergibt sich aus vier Faktoren:

  • ein Klima, das für die Krankheit günstig ist (feucht und mild zur Blüte),
  • das infektiöse Potential der Vorfrucht (besonders hoch bei Mais),
  • ungeeignete Behandlung der Ernterückstände (günsitg: Stroh und Stoppeln nach der Ernte fein häckseln und einmischen, um die biologische Umsetzung zu beschleunigen)
  • Empfindlichkeit der angebauten Kultur bzw. Sorte.

Wahl der Vorfrucht

Der größte negative Einfluss geht dabei von der Vorfrucht Mais aus, nicht vom Bodenbearbeitungsverfahren. Auch bei einem Anbau von Weizen nach Weizen sind die Risiken für einen Fusarium-Befall erhöht, allerdings nicht in dem Maße wie nach Mais. Andere Weizen-Vorfrüchte als Mais führen zu relativ geringen Mykotoxingehalten.

Sommergetreide oder eine Blattfrucht nach Mais sowie eine Verringerung von Mais in der Fruchtfolge insgesamt wären die geeignetesten Maßnahmen zur Reduzierung der Fusariumkrankheit am Oberrhein.

Nach Raps wurde in Versuchen in der Schweiz über alle Bewirtschaftungsverfahren ein gleicher Fusarienbefall des Weizens fest gestellt, der sich insgesamt auf deutlich geringerem Niveau bewegte als bei Weizen nach Mais.

Sortenwahl

Für Weizen, der pfluglos nach Mais gesät wird, kann durch die Wahl einer unempfindlichen Sorte der Mykotoxingehalt gegenüber anfälligen Sorten um mehr als 50% reduziert werden.

Außerdem ist die Wahl einer standortangepassten Maissorte, die eine Ernte vor dem 1. November erlaubt, anzuraten.

Einsatz von Fungiziden

In Situationen, in denen trotz der getroffenen Maßnahmen ein Befall mit Fusarium-Arten befürchtet werden muss (hohe Feuchtigkeit zur Getreideblüte), ist die Anwendung eines Fungizids zum Zeitpunkt der Blüte eine weitere Maßnahme, um den Befall zu reduzieren. Der alleinige Gebrauch von Strobilurinen in Getreide begünstigt toxinbildende Fusarien, so dass Mischungen mit Triazolen zu bevorzugen sind.

Weiterhin wurde festgestellt, dass Bohrgänge des Maiszünslers den Fusarienbefall von Mais begünstigen können. Eine großzügige Düngung sowie der Einsatz von Wachstumsreglern wirken sich ebenfalls nachteilig aus.

Düngung zur Förderung der Strohrotte

Der Anbau einer Gründüngung sowie die Mistdüngung mit flacher Einarbeitung begünstigen dagegen den Abbau der Ernterückstände von Mais durch eine Erhöhung der biologischen Aktivität.
Zur Unterstützung einer zügigen Umsetzung der Erntereste der Vorkultur mit weitem C/N-Verhältnis kann speziell bei pflugloser Bewirtschaftung eine zusätzliche Stickstoffgabe, z.B. in Form von Gülle oder AHL, (Ammonnitrat-Harnstoff-Lösung) zur Herstellung eines engeren C/N-Verhältnisses beitragen. Stickstoffgaben im Herbst sind allerdings aus Gewässerschutzgründen kritisch zu betrachten und werden kontrovers diskutiert. Sie sollten nur auf geeigneten, nicht zu flachgründigen oder durchlässigen Standorten angewendet werden und müssen sehr vorsichtig dosiert sein, da ein Austrag über Winter vermieden werden muss. Zusammen mit einer sorgfältigen Zerkleinerung (Stoppelbearbeitung mit Exakthäcksler) und einer guten oberflächlichen Einmischung (z.B. mit einer Scheibenegge) wird eine zügige Rotte begünstigt, die einem Fusarienbefall der Folgekultur entgegen wirkt.

Kombinierte Maßnahmen recht erfolgsversprechend

Die Kombination dieser Maßnahmen führte bei den Praktikern zu zufrieden stellenden Ergebnissen, auch für den pfluglosen Anbau von Getreide nach Mais. Letztendlich gibt es nur wenige Situationen, in denen wegen Fusariumproblemen auf die Anwendung bodenschonender Bearbeitungsverfahren verzichtet werden muss.

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