Wie wird sich der Unkrautdruck entwickeln? Was kann ich dagegen tun? Welche Strategien zur Unkrautbekämpfung sind sinnvoll?

 

Die Umstellung auf pfluglosen Anbau beeinflusst die Populationsdynamik der Unkräuter, so dass sich Artenzusammensetzung und Dichte allmählich verändern.

Im Gegensatz zur Pflugbearbeitung werden die Unkrautsamen bei pflugloser Bodenbearbeitung nicht tief untergemischt, sondern bleiben oberflächennah und werden bei ihrem Auflaufen bekämpft. Dadurch kann es vorübergehend zu einem stärkeren Unkrautdruck, langfristig aber zu einer Reduzierung des Samenvorrates kommen, ein Effekt, der bei Direktsaat durch die Mulchdecke verstärkt wird.

Meist erfolgt eine Abnahme zweikeimblättriger Arten und eine Zunahme einkeimblättriger Arten und mehrjähriger Wurzelunkräuter. Die regionalen Erhebungen zeigen allerdings, dass das Problem der mehrjährigen Unkräuter primär mit der Maismonokultur in Zusammenhang steht, nicht so sehr von den Techniken der Bodenbearbeitung abhängt und sich zum Teil durch tiefere Bearbeitung reduzieren lässt.

Problematik

Übliche Veränderungen der Unkrautflora unter reduzierter Bodenbearbeitung

  • Zunahme einkeimblättriger Arten (Jährige Rispe, Ackerfuchsschwanz, Trespenarten) und mehrjähriger Wurzelunkräuter (Quecke, Kratz- und Gänsedistel)
  • Abnahme zweikeimblättriger Unkräuter
  • Aufkommen von Ruderalunkräutern (Weidenröschen, Storchschnabel, Huflattich)
  • geringere Auflaufrate bei Mulchauflage
  • späteres Auflaufen

Verminderte Wirkung von Bodenherbiziden möglich

  • Die Wirksamkeit von Bodenherbiziden wird durch die oberflächliche Mulchschicht stark reduziert
  • Bindung von Wirkstoffen an Mulch- oder Humusmaterial
  • Inaktivierung durch Humuskomplexe
  • Schnellere Abbauraten bei höherer biologischer Aktivität

Lösungsansätze

Bei stärkerem Unkrautdruck ist die Unkrautbekämpfung mit den derzeitigen Herbiziden durchaus möglich. Der Pflanzenschutz ist allerdings nicht auf die Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren, vielmehr sollte eine Anpassung der gesamten Pflanzen­schutz­strategie vorgenommen werden, in der Fruchtfolge, Strohmanagement und flache Bodenbearbeitung wichtige Einflussfaktoren sind.

Konsequenzen für Herbizidstrategie

Eine wichtige Rolle beim pfluglosen Anbau spielen Totalherbizide. Ausfallgetreide, Durchwuchs und Problemunkräuter können vor oder nach der Einsaat, jedenfalls aber vor dem Auflaufen der Hauptkultur durch die Herbizidanwendung beseitigt werden. Der Einsatz dieser Produkte, die allerdings nur von rund 50 % der befragten Landwirte am Oberrhein eingesetzt werden, stellt eine Ergänzung der Pflanzenschutzmaßnahmen dar und muss dabei nicht unbedingt einen Mehraufwand an Herbiziden bedeuten, da unter Umständen nachfolgende Spritzungen eingespart werden können.

  • Blattaktive Kontaktmittel bevorzugen (Wuchsstoffe, Sulfonylharnstoffe), Vermeidung von Bodenherbiziden
  • Abkehr von breit wirksamen Vorauflaufverfahren, da die Bodenwirkung dieser Produkte durch die aufliegende Mulchschicht stark reduziert ist
  • Selektive Nachauflaufverfahren

Nachteile hierbei sind:

  • regelmäßige Feldkontrolle notwendig
  • kurz- und mittelfristig evtl. höhere Herbizidkosten
  • erhöhter Beobachtungsaufwand
  • teilweise eingeschränkte Mittelpalette

Mechanische Unkrautbekämpfung, Stoppelbearbeitung

Die mechanische Unkrautbekämpfung wie z.B. eine Saatbettbereitung im Zeitraum zwischen zwei Kulturen, reduziert den Auflauf in der Kultur beträchtlich, sofern genügend Zeit zur Verfügung steht. Das ist bei Mais in Monokultur jedoch selten der Fall. Eine oberflächliche Bearbeitung vor der Direktsaat (modifizierte Direktsaat) kann z.B. Unkräuter zum Auflaufen anregen und Schnecken bekämpfen.

Fruchtfolgen: Wechsel zwischen Blatt- und Halmfrüchten

Im Übrigen bleiben der Erfolg und die Qualität der Unkrautbekämpfung hauptsächlich von der Fruchtfolge abhängig. Phytosanitäre Effekte können durch eine Auflockerung der Fruchtfolge erheblich verstärkt werden, dies führt zu einer abhnehmendenBefallsstärke.

In Mais-Weizen-Fruchtfolgen ist die Unkrautbekämpfung beispielsweise sehr viel einfacher als im Monomais. In einem zehnjährigen Dauerversuch mit Wechsel von Blatt- und Halmfrucht konnte der Besatz mit Dikotylen und Windhalm z.B. um 50% verringert werden, was auf den geringeren Samenvorrat im Oberboden zurückzuführen ist. Zusätzlich zu chemischen und mechanischen Maßnahmen können durch Zwischenfrüchte und damit verbundene Nährstoff- Wasser- und Lichtkonkurrenz Unkräuter unterdrückt werden.
In einer getreidebetonten Fruchtfolge zeigte sich dagegen ein stark zunehmender Besatz mit Windhalm. Der Ungrasproblematik kann z.B. durch eine vollständige Bekämpfung von Gräsern im Raps entgegen gewirkt werden.

Anbau von Zwischenfrüchten als Konkurrenten zu Unkräutern

Mit der Reduzierung der Bearbeitungsintensität nimmt nach LINDEMANN (1998) auch der Unkrautdruck ab, da weniger Stickstoff mineralisiert wird. Zusätzlich können durch Zwischenfrüchte und damit verbundene Nährstoff-, Wasser- und Lichtkonkurrenz Unkräuter unterdrückt werden. Außerdem belegen zahlreiche Untersuchungen, dass Pflugverzicht positive Auswirkungen auf den Besatz von Nützlingen (Pilze, Bakterien, Raubmilben, Laufkäfer etc.) hat. Diese phytosanitären Effekte können zusätzlich durch eine aufgelockerte Fruchtfolge stimuliert und verstärkt werden (STEMANN 2001).


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