Pfluglose Produktionssysteme sind ein Sammelbegriff für anspruchsvolle Techniken mit hohen Anforderungen an den Landwirt. Verschiedene Voraussetzungen müssen daher für die Einführung pflugloser Bodenbearbeitung erfüllt sein.

Persönliche Voraussetzungen

Motivation, Risikobereitschaft, Experimentierwille

Wegen der mehrjährigen Umstellungszeit, die zeitweise sogar mit Ertragseinbußen verbunden sein kann, ist zusätzlich zur Experimentierbereitschaft auch Geduld und Motivation gefragt. Da es keine einheiltiche Methode der pfluglosen Bodenbearbeitung gibt, empfiehlt es sich, zunächst Teilflächen pfluglos zu bearbeiten, um später eine individuelle, an Standort und betriebliche Möglichkeiten angepasste Anbau-Strategie auszuarbeiten.

Wissen über Funktionsweise von Böden

Ein umfassendes Verständnis der Funktionsprinzipien der Böden, insbesondere die Kenntnis von Bodentyp und Bodenprofil ist notwendig als Grundlage für die Wahl der geeigneten Maßnahmen pflugloser Bodenbearbeitung und Voraussetzung für Erfolg (Erkennen von Bodenverdichtungen, Wahl des optimalen Zeitpunktes zur Bodenbearbeitung).

Beobachtung und Überwachung

Der Bodenzustand muss beobachtet werden, insbesondere der Abtrocknungsgrad vor jeder Bodenbearbeitung. Eine gründliche Überwachung des Bestandes und der Entwicklung der Unkräuter, deren Zusammensetzug und Dynamik sich durch den Pflugverzicht ändern kann, ist insbesondere während der Übergangsphase nach dem Pflügen wichtig.

Toleranz: optische Aspekte

Die Umstellung impliziert auch eine gewisse "psychische" Anpassung an den optischen Eindruck der Parzellen. Bei vielen Landwirten ruft das veränderte Erscheinungsbild der Bodenoberfläche mit den darauf verbliebenen Ernteresten nach Pflugverzicht den Eindruck eines 'unsauberen' Ackers hervor. Vielerorts scheint das Berufsbild des 'guten' Landwirtes nach wie vor mit der Strategie des „reinen Tisches", also einer gepflügten Bodenoberfläche ohne jegliche Pflanzenreste, verbunden zu sein.
Die optische Veränderung, die mit der Einführung pflugloser Verfahren einher geht, kann zu Spannungen mit Nachbarn und Berufskollegen in der Region führen, umso mehr, als dass oftmals pfluglos wirtschaftende Betriebe der Infektion von Nachbarflächen mit Krankheiten und Unkrautsamen bezichtigt werden.
Ein weiterer optischer Aspekt ist durch das Abspritzen der Zwischenfrucht im Frühjahr begründet. Diese Herbizidanwendung bleibt durch die absterbende, sich braun verfärbende Winterbegrünung eine oder mehrere Wochen auch für Laien deutlich erkennbar und kann, ungeachtet ihrer moderaten Umweltwirkung, besonders in touristischen Gebieten zu einem negativen Image der Landwirtschaft beitragen.

Betriebliche Voraussetzungen

Möglichkeiten und Willen zur Anpassung der Gerätschaften bzw. dem Einsatz von Spezialgeräten (gründliche Verarbeitung von Pflanzenrückständen, bodenschonende Arbeitsgänge)

Anpassungen in der Bestandesführung

  • Einführung bzw. Umstellung von Fruchtfolgen und Zwischenfruchtanbau
  • Anpassungen in der Unkraut- und Schädlingsbekämpfung
  • Sorgfältige Verarbeitung der Pflanzenrückstände
  • Anpassung der Düngemittelstrategie

Beratung

Technische Begleitung bei der Verfahrensauswahl und Erfahrungsaustausch mit pfluglos arbeitenden Landwirten

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