Was gibt es für Regenwürmer?

Regenwürmer gehören zu den wichtigsten Bodentieren und werden der wühlenden Makrofauna zugerechnet. In Mitteleuropa gibt es fünf Regenwurm-Gattungen, deren Arten sich in drei Lebensformtypen einteilen lassen (HABER & SALZWEDEL 1992; KRÜCK et al. 2001):

 

  • die Streubewohner (epigäische Regenwurmarten) sind nur bis zu 3 cm lang, leben in der Streu- und Humusschicht, graben kaum und legen wenn überhaupt nur kleine Gänge an. Sie ernähren sich von Pflanzenresten, Pilzen, Bakterien.
  • die Mineralbodenbewohner oder auch Flachgräber (endogäische Arten) sind bis zu 15 cm lang, leben im mineralischen Oberboden bis zu einer Tiefe von ca. 60 Zentimetern und graben horizontale Röhren. Sie fressen große Mengen an Erde, aus der sie abgestorbene Wurzeln und organische Masse entnehmen. Der Rest füllt als Losung die Regenwurmgänge.
  • die Tiefgräber (anektische Arten) sind bis zu 45 cm lang und leben in permanenten, senkrecht verlaufenden Röhren, die von der Bodenoberfläche bis mehrere Meter tief in den Unterboden reichen. Sie ernähren sich von Streuresten, die sie in ihre Gänge hereinziehen und scheiden ihre Kothaufen an der Oberfläche ab.

Im Ackerboden finden sich nach JOSCHKO et al. (2001) hauptsächlich Vertreter der flachgrabenden Regenwurmarten Aporrectodea caliginosa, A. rosea und A. chlorotica sowie die tiefgrabende Art Lumbricus terrestris, der Tauwurm.

Vielfältiger positiver Einfluss auf den Ackerboden allgemein

Der Einfluss der Regenwürmer auf die landwirtschaftlich genutzten Böden ist äußerst positiv. 

Regenwürmer graben und verdauen Boden. Dadurch schaffen sie langfristig stabile und kontinuierliche Porensysteme, die Wurzeln, Wasser und Luft den Weg bahnen und demenstprechend das Pflanzenwachstum fördern und den Wasserhaushalt des Bodens im Hinblick auch auf das Erosionsverhalten verbessern können. Die Verdauung der Streu und des Bodens durch Regenwürmer fördert zudem das Nährstoffecycling und wirkt sich durch Schaffung einer Krümelstruktur stabilisierend auf den Bodens aus.

 

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Streuzersetzung und Nährstoffrecycling

Es ist in zahlreichen Versuchen nachgewiesen, dass Regenwürmer die jährlich anfallende Streu von Pflanzen und Laubbäumen praktisch vollständig in den Boden einarbeiten und damit das Recycling von Nährstoffen wesentlich verbessern (BIERI & CUENDET 1989; EHRMANN 2000; TEBRÜGGE 1987). Regenwürmer ernähren sich von mikrobiell vorzersetzten Pflanzenresten an der Bodenoberfläche, die von ihnen eingesammelt und in die Röhren gezogen werden.

Lebendverbauung gegen Erosion

Regenwürmer schaffen durch ihre Kotablage auf dem Boden außerdem eine meist gleichförmige Lage von Aggregaten, die durch Schleimstoffe stabilisiert sind und der Verschlämmung und der Erosion entgegenwirken. Die Kotkrümel zeichnen sich durch hohe Stabilität und eine verstärkte Besiedelung durch Mikroorganismen aus. Die Mischung erfolgt im Regenwurmdarm und fördert die Bildung von stabilen Tonhumusverbindungen. Zusammen mit den von Bakterien abgesonderten Schleimstoffen ergibt sich die sogenannte Lebendverbauung der Krümel, was diesen eine hohe Stabilität verleiht.

Regenwurmgänge fördern Durchwurzelung und durchbrechen Verschlämmungskrusten

Eine wichtige Aufgabe der tiefgrabenden Regenwürmer besteht darin, durch ihre dauerhaften Gänge den Pflanzenwurzeln den Zugang zum Unterboden und damit zu Wasservorräten zu ermöglichen. Tatsächlich werden häufig Wurzeln von tiefwurzelnden Pflanzen (z.B. Zuckerrüben und Raps) in alten Regenwurmgängen gefunden (GRAFF 1983).

Gefäßversuche von ROTH & JOSCHKO (1991) konnten zeigen, dass Regenwürmer darüber hinaus in der Lage sind, verschlämmte Krusten wieder aufzubrechen, und so die Infiltrationskapazität des Bodens nach Verschlämmung wieder zu erhöhen.


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