Alle Kulturen im Vergleich: Anpassung des gesamten Anbausystems notwendig

Die Abbildung zeigt eine Übersicht der Ertragsergebnisse des „Systemvergleichs Bodenbearbeitung Baden-Württemberg". Die Ergebnisse wurden an 13 Standorten ermittelt, an denen allerdings z.B. die Düngung nicht an die unterschiedlichen bodenphysikalischen Gegebenheiten angepasst wurde, wie es viele Autoren für dringend notwendig erachten. Als Fazit lässt sich aus den Versuchen daher keine sichere Aussage über die Ertragsfähigkeit der Bearbeitungssysteme Mulchsaat und Direktsaat treffen. Die Ergebnisse belegen allerdings die Aussagen anderer Autoren, dass speziell für Direktsaat das komplette Anbausystem angepasst werden muss, da sonst bei einigen Kulturen mit z.T. gravierenden Ertragseinbussen gerechnet werden muss. Winterweizen bringt selbst bei „pflugoptimierter" Düngung in beiden pfluglosen Verfahren vergleichbare Erträge, während bei Mulchsaat zusätzlich auch Körner- und Silomais sowie Sommergerste und Winterraps Erträge von mehr als 90% der Pflugvariante einbrachten, was vor dem Hintergrund der Einsparungen durch das kostengünstigere Verfahren akzeptabel ist.

 

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Abbildung: Relativerträge ausgewählter Fruchtarten, verändert nach WALDORF &GRIMM (2003)

 

WALDORF & GRIMM (2003) stellten im Oberrheingebiet im Mittel über alle Kulturen sinkende Erträge gegenüber Pflugbewirtschaftung (100%) von 6% durch Mulchsaat und 14% durch Direktsaat fest. Die Hauptfrüchte reagierten allerdings sehr unterschiedlich auf die Bestellsysteme: Mais (Mittel von Körner- und Silomais) zeigte in Dauerversuchen bei Mulchsaat eine Ertragsminderung um 3 %, bei Direktsaat um 14 %. Bei Triticale wurden bei Direktsaat der Pflugvariante vergleichbare Erträge erzielt, bei Mulchsaat fielen sie leicht (um 5 %) ab.
Bei Wintergerste und Winterraps wurden bei Mulchsaat, besonders aber bei Direktsaat starke Ertragsrückgänge ermittelt.

Ergebnisse vielfältig, je nach Bearbeitungsverfahren, Boden, Vorfrucht

Bei Winterweizen brachten alle Anbauverfahren vergleichbare Erträge ein, Silomais, Sommergerste und Zuckerrüben führten bei Direktsaat zu starken Ertragsminderungen. Mulchsaat ergab kurzfristig gesehen außerdem Einkommensnachteile bei Körnermais und Winterraps, beide pfluglosen Verfahren führten bei Triticale und Winterweizen zu Einkommensvorteilen. Dabei ist zu beachten, dass in diesen Versuchen die Stickstoffdüngung nicht auf die pfluglosen Anbauverfahren abgestimmt war, wie es von zahlreichen Autoren empfohlen wird. Folglich wurde durch die nicht optimale Nährstoffversorgung das Ertragspotenzial der reduzierten Verfahren nicht voll ausgeschöpft (SCHULZE & GRIMM 2001).

Auch andere Autoren stellen fest, dass die Direktsaat von Weizen nur ganz selten zu Mindererträgen führt (Frankinet et al., 1979; Trochard & Lajoux, 1994; Vez, 1977; Massé et al, 2004; Maillard & Vez, 1988; Zumbach & Sturny, 1985; Reinhard et al., 2001; Waldorf & Grimm, 2003), ausser bei Weizen-Monokultur ohne Strohverbrennung (Massé et al, 2004; Christian & Bacon; 1990; Ball et al., 1994).

Nach Aussagen von SCHULZE et al. 2000 ergaben sich Ertragsnachteile bei Mulchsaat und Direktsaat von Sommergerste. Allerdings wurden die Versuche nicht auf Dauerstandorten durchgeführt, so dass sich die von anderen Autoren nachgewiesenen, positiven Aspekte der reduzierten Bestellverfahren wie Bodenstrukturverbesserung, Bodenbelebung etc. im Versuchszeitraum nicht aufbauen und in Ertrag umsetzen konnten.

HAMPL (2000) erzielte bei Winterweizen und Winterroggen vergleichbare Erträge unabhängig von der Bewirtschaftung, stellte aber bei Erbsen und Braugerste Ertragsvorteile beim Pflug gegenüber einer Bearbeitung mit Schichtgrubber fest.

Flachgründige Bodenbearbeitung führte im Vergleich zur Pflugbearbeitung zu Mindererträgen bei Sommererbsen, Soja und Weizen nach Raps (Frankinet et al., 1979), bei Raps und Soja auch auf schweren Böden (Zumbach & Sturny, 1985), mit Ertragseinbußen zwischen 3 und 6% (Trochard & Lajoux, 1994), wie bei Zuckerrüben in Direktsaat (Massé et al, 2004; Frankinet et al., 1979) und bei Erbsen (Massé et al, 2004).

Der Ertrag von Raps, Körnermais, Zuckerrüben und Soja war bei den beiden pfluglosen Verfahren auf schwerem Boden geringer (Zumbach & Sturny, 1985).

Untersuchungen mit Mais

Reihenfrässaat und Direktsaat gegenüber Pflugbearbeitung

BOHREN et al. (2002) erzielten bei Versuchen mit Streifenfrässaat bei Mais zuverlässigere und höhere Erträge als bei reiner Direktsaat. Im langjährigen Mittel über mehrere Standorte lagen diese sogar über den Erträgen der Pflugvariante. Versuche von KANSY & VETTER (1999) ergaben hingegen leicht höhere Erträge beim Maisanbau mit Pflugsystem als mit Reihenfrässaat. Bei Direktsaat kommt es zu Mindererträgen von 10% und bei Frässaat von 5% (Kansy & Vetter, 1999). Diese Ertragsunterschiede schlugen sich auch in der durchgeführten Deckungsbeitragsberechnung nieder, in der die Einbußen nicht durch geringere variable Maschinenkosten kompensiert werden konnten. Nach Aussage von TEBRÜGGE & BÖHRNSEN (1998) hingegen sind bei gutem Management und einer angepassten Fruchtfolge die pfluglose Bodenbearbeitungssysteme nicht mit Ertragsdepressionen verbunden. Dies wird mehrheitlich auch von Praktikern bestätigt, welche die Direktsaat einsetzen.

Aussaatprobleme haben unter reduzierter Bodenbearbeitung bei Mais den größten Einfluss auf den Ertrag. Im Mittel vergeht ein längerer Zeitraum bis zum Auflaufen, die Entwicklungsstadien verlaufen nicht gleichzeitig und Feldaufgang und Jugendentwicklung der Pflanzen sind insgesamt schlechter (Caneill & Bodet; 1994).

Die Rolle der Wasser- und Nährstoffversorgung durch den Boden

Pfluglose Anbauverfahren gelingen besser auf leichtem Boden wegen der besseren Wasserspeicherung (Sturny & Anken, 1992; Richter et al., 1989; Kané, 2000), bereiten auf schwererem Boden aber mehr Probleme (Sturny & Anken, 1992). Das Vorhandensein von Ernterückständen ist bei pflugloser Bestellung auf leichten Böden von Vorteil und auf schweren Böden äußerst nachteilig.

Sind diese Klippen einmal überwunden, zeigen sich mit pflugloser Bestellung die besseren Ergebnisse (Vez, 1977; Maillard & Vez, 1988; Maillard & Vez, 1993; Waldorf & Grimm, 2003), sofern in den ersten Jahren die erste Stickstoffgabe etwas erhöht wird, zur Saat Ammoniumphosphat gegeben wird (Reinhard et al., 2001), oder durch eine Zwischenfrucht Stickstoff zur Verfügung gestellt wird (Maillard & Vez, 1988). Andernfalls kann es auf schweren Böden zu Ertragsverlusten kommen (Zumbach & Sturny, 1985).

Der Ertrag vom Silomais wurde in Untersuchungen von KANÉ (2000) auf einem Lößboden mit guter Wasser- und Stickstoffversorgung in erster Linie durch das Bodenbearbeitungsverfahren bestimmt. Hier brachte das Pflügen ohne Düngung mehr Frischmasse als die gedüngten Fräs- und Direktsaatvarianten (KANÉ 2000). Nach Untersuchungen von RICHTER et al. (1989) ist die Wurzelentwicklung des Maises in gepflügten Böden besser als in ungepflügten. Im Gegensatz dazu führte der Pflugverzicht an einem sandigen Versuchsstandort zu größeren Maiserträgen. Hier war der Kolbenertrag am höchsten bei der Grubber/ Rotoreggen- und der Direktsaatvariante. Sowohl im Bezug auf die Freisetzung als auch auf die Aufnahme der Nährstoffe durch die Pflanzen spielte hier die Wasserversorgung die wichtigste Rolle, so die Interpretation von RICHTER et al. (1989).

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