Schädlinge und Nützlinge profitieren von Bodenruhe und Mulchschicht

Grundsätzlich werden durch lange Phasen der Bodenruhe nicht nur Populationen von Nützlingen, sondern auch Schädlinge wie z.B. Schnecken gefördert. Durch die ständige Bedeckung, die aus anderen Gründen erwünscht ist, werden Schnecken ebenso begünstigt wie durch reduzierte Bearbeitungsgänge und –intensitäten (FRICKE 2003).

Die geringere Zerstörung von Wohnraum im Boden und das Belassen von organischer Substanz an der Bodenoberfläche fördert eine Verbreitung folgender Schädlinge: Schnecken, Maulwürfe, Milben, Läuse, Insekten-Eulen und Kleinsäuger (Porte-Laborde et al., 2002; Bordes, 1997; Gers, 1982; Lindemann, 1998; Stemann, 2001; Fricke, 2003; Holland, 2004).

Auch Nützlinge profitieren: so wurde festgestellt, dass von 47 im Boden vorkommenden Arten 20 vom Pflug und 21 von pfluglosen Verfahren gefördert werden (Laufkäfer), während 6 Arten unabhängig von der Bodenbearbeitung sind (Kromp, 1999; Holland & Luff, 2000; Hance, 2002). Bei feuchter Witterung kann die Ausbreitung von Schädlingen wie Ackerschnecken unter Mulch- und Direktsaat erheblich ansteigen. Sie werden durch eine Verminderung der oberflächlichen Bodenbearbeitung ebenfalls begünstigt (Phillips, 1984; Ackermann, 2002; Blevins et al.,1984 ; Garbe, 2001).

Schnecken

Schneckenzunahme nicht unbedingt spezifisch für pfluglose Bodenbearbeitung

Jede Art der Bodenbearbeitung vernichtet einen Teil der Schneckenpopulation. Da die Lebensbedingungen unter pflugloser Bearbeitung günstiger sind, kann das Risiko eines Schneckenbefalls erhöht sein.

LINDEMANN (1998) wies in Baden-Württemberg im Vergleich zu Rheinland-Pfalz einen höheren Schneckendruck nach, während er einen systembedingten Unterschied nicht feststellen konnte. Auch STEMANN (2001) ist der Ansicht, dass das Auftreten von Schnecken nicht unmittelbar ein direktsaatspezifisches Problem ist. Während Schnecken bei Mulch- oder Direktsaat durch aufliegende Mulchschichten gefördert werden können, kann bei Pflugeinsatz eine ungenügende Rückverfestigung mit größeren Hohlräumen den Schnecken Schutz und Rückzugsmöglichkeiten bieten.

Mögliche Maßnahmen gegen Schneckenbefall

Vereinzelt müssten laut SCHULZE & GRIMM (2000) bei Direktsaat höhere Aufwandmengen von Schneckenkorn appliziert werden, deren Wirkung im Ökosystem kritisch zu betrachten ist, da die positive ökologische Leistung einer pfluglosen Bestellung dadurch verringert wird. Neben dem ökologischen Nachteil mindert der erhöhte Einsatz von Schneckenkorn zum Pflanzenschutz die finanziellen Vorteile reduzierter Bodenbearbeitung (KLOTZ & HAAG 2001).

Alternativ oder ergänzend bieten sich folgende Verfahren der Bekämpfung an (Fricke, 2003; Voß ET AL., 1997; Bäumler, 2000; Streit, 2003):

 

  • Auf schweren Böden nach der Stoppelbearbeitung, Saatbettbereitung und der Aussaat Walzen, um Hohl- und Schlupfräume zu verringern
  • Kluten vermeiden, günstigen Zeitpunkt für die Bodenbearbeitung wählen
  • Frühe und tiefe Saat
  • Beachtung der Anfälligkeit bei der Sortenwahl
  • Förderung von Nützlingen
  • „grüne Brücken" vermeiden (zeitweiser Entzug der Nahrungsgrundlage durch Wechsel zwischen Winter- und Sommerfrüchten mit Abtöten von Ausfallgetreide, Unkräutern usw. im Herbst,)
  • Einsatz von Kalkstickstoff
  • kurzes Strohhäckseln sowie gleichmäßige Strohverteilung,
  • Ausbringen von Branntkalk (z. B. vor der Winterweizen- bzw. Triticaleaussaat)

Sollte zusätzlich Schneckenkorn eingesetzt werden, ist auf eine effektive Ausbringung zu achten. Zum Beispiel besteht direkt nach der Rapssaat eine hohe Aktivität der Schädlinge und damit eine gute Wahrscheinlichkeit des Köderkontaktes. Nach FRICKE (2003) sind eventuell Randbehandlungen in 3-5 m Breite ausreichend. Beim Einsatz von Molluskiziden sollten Produkte verwendet werden, die eine möglichst geringe Toxizität für Lumbriciden (Regenwürmer) aufweisen. Derzeit ist im Projekt allerdings kein Molluskizid bekannt, das in Deutschland für den Einsatz im Mais zugelassen ist.

Eine flache Bodenbearbeitung vor der Direktsaat (modifizierte Direktsaat) kann auch bei der Schneckenbekämpfung helfen (EMMERLING & HAMPL 2003.

Vorstehend zitierte Autoren und deren Versuchsbedingungen

RG (Ackermann, 2002) Deutschland - Beratungspraxis
RE (Blevins et al., 1984) USA - Direktsaat
RG (Bordes, 1997) F - Baziège
RE (Garbe, 2001) D - NRW
RE (Gers, 1982) Frankreich
RE (Hance, 2002) Europa
RG (Holland, 2004) Europa
RG (Holland & Luff, 2000) Europa
RE (Kromp, 1999) Europa
RG (Phillips, 1984)
RG (Porte-Laborde et al., 2002) F - Boigneville

DruckenKontakt

Mit finanzieller Unterstützung aus dem Innovationsfond Klima- und Wasserschutz der badenova AG und Co.KG

logo_badenova

© Agentur Anna 2010