Konsequenzen für das Stickstoffmanagement

Stichwort "bedarfsgerechte Düngung" - Bodenanalysen, Düngeranalysen - Messung von NMin im Frühjahr (mineralisierter Stickstoff im Boden bis Wurzeltiefe) zur Bestimmung des N-Bedarfs (Im Frühjahr können je nach Fruchtfolge, Bodenart, Bodentyp, organischer Düngung und Herbst- bzw. Winterwitterung sehr unterschiedliche Mengen an mineralisiertem, d. h. pflanzenverfügbarem Stickstoff, im Boden vorhanden sein

 

 

Zusammenfassung

Die in den ersten Jahren nach der Umstellung insbesondere bei Direktsaat zu beobachtenden Verzögerungen bei der Mineralisation und der Vegetationsentwicklung können durch eine stärkere Betonung der ersten Stickstoffgabe (zu Lasten der folgenden Gaben) oder durch die Verwendung eines schneller wirkenden Düngers reduziert werden. Die Nmin-Ergebnisse nach der Ernte zeigen jedoch, dass dies nicht in jedem Jahr nötig oder für die Qualität der Erzeugnisse vorteilhaft ist.

(-) Stickstoffaufnahme

Die Stickstoffaufnahme kann infolge geringerer Mineralisation und auch schlechterer Durchwurzelung infolge der Bodenstruktur vermindert sein (Germon et al., 1994; Kockmann et al., 1991) oder wegen einer kulturbedingt unterschiedlichen N-Aufnahme (Maillard, 1992).

(~) Zusätzliche Stickstoffdüngung

Ein Stickstoffmangel in den frühen Entwicklungsstadien kann sich auf die Anlage von früh determinierten Ertragskomponenten verheerend auswirken. Wird die erste Düngergabe erhöht, gibt es keinen Ertragsunterschied mehr. Eine Erhöhung der ersten Stickstoffgabe zu Mais (Germon et al., 1994; Blevins et al., 1983; Langlet & Rémy, 1976; Reinhard et al., 2001) lässt sich durch eine geringere Durchwurzelung im Frühjahr bei Direktsaat sowie eine verschobene Mineralisierungskurve rechtfertigen (Fox & Bandel, 1986).
Bei Direktsaat wurde die erste Stickstoffgabe bei Winterungen um 10 kg/ha erhöht (bei gleicher Gesamtmenge) und 5-6% Mehrertrag erzielt. Bei Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln wurde die Gesamtdüngung in den ersten beiden Jahren um 20-25 kg N/ha erhöht. In den Folgejahren wurde zur Saat Ammoniumphosphat verabreicht, worauf es zu keiner Entwicklungsverzögerung mehr kam. Ab dem dritten Jahr stiegen die Erträge um 8,2% bei Mais und um 7% bei Zuckerrüben (Maillard & Vez, 1988).

Die Stickstoffnachlieferung des Bodens ist insbesondere auf schweren Tonböden schwach, wegen einer geringeren mikrobiellen Aktivität. Dies gilt umso mehr, wenn für den Strohabbau (Maisstroh) Stickstoff benötigt wird. Dann muss die Stickstoffdüngung erhöht werden. Dies gilt jedoch nicht systematisch: Der Jahreseffekt ist ebenfalls zu berücksichtigen (Stemann, 2001; Schulze et al., 2000; Schulze & Grimm, 2000).

Bei Weizen stellen Langlet & Rémy (1976) fest, dass die verzögerte Mineralisierung nicht zu einer geringeren Stickstoffabfuhr mit dem Erntegut führt.
Andererseits gibt es auch Untersuchungen, bei denen die Nmin-Gehalte des Bodens im Frühjahr mit und ohne Pflügen gleich hoch sind (Reinhard; 2001). Bei der Düngungsbemessung zu Weizen und Mais sollten keine Unterschiede gemacht werden (Maillard, 1992; Maillard & Vez; 1988). Bei Zuckerrüben in Direktsaat wurde wegen eines Wachstumsrückstandes im Juni eine Zusatzdüngung von 20 kg N/ha verabreicht (Gesamtmenge um 20 kg erhöht). Sie hat wohl einen Stickstoffüberschuss bewirkt, mit der Folge eines geringeren Zuckerertrags. Frühjahrsmessungen in Wintergetreide haben keine Nmin-Unterschiede im Boden aufgezeigt. Nach Zwischenfrucht zeigten sich in Mais über die ganze Vegetationsperiode hinweg keine Unterschiede zwischen Direktsaat und Pflug. Eine Erhöhung der Stickstoffdüngung bei Direktsaat ist von daher nicht angezeigt (Zihlmann et al, 2001).
Andererseits werfen die günstigen Auswirkungen von Senf-Zwischenfrucht auf den Maisertrag die Frage nach der Düngung von Zwischenfrucht auf, sofern die Nmin-Werte niedrig sind (Maillard & Vez; 1988).

In den Phasen hoher Mineralisation (ab Mai) kann die Düngung reduziert werden, so dass der N-Aufwand in der Summe etwa gleich bleibt.

Bei der Düngerform sollten schnellwirkende Dünger (AHL, KAS) bevorzugt werden (Stemann, 2001; Schulze et al. , 2000; Schulze & Grimm, 2000).

Vorstehend zitierte Autoren und deren Versuchsbedingungen

RE (Blevins et al., 1983) Mais nach 50 Jahren Wiese - Direktsaat/Pflug - kalkhaltiger, drainierter lehmiger Sand - 10 Jahre
RG (Fox & Bandel, 1986)
M (Germon et al., 1994) Frankreich (ITCF-Versuche)
RE (Kockmann et al., 1991)
RE (Langlet & Rémy, 1976) F-Boigneville und F-Grignon
RE (Maillard, 1992) CH-Changins
RE (Maillard & Vez, 1988) CH-Changins
RE (Maillard & Vez, 1995) CH-Changins
RE (Pronin, 2003) Lehmiger Sand und auf Schwarzerde (D-Brandenburg und RU-Novosibirsk)
RE (Reinhard et al., 2001) CH-Zollikofen - Versuchszeitraum: 1994-1999
RE (Schulze & Grimm, 2000) D - Baden-Württemberg
RE (Schulze et al., 2000) D - Baden-Württemberg
RG (Stemann, 2001)
RE (Zihlmann et al, 2001) CH-Zollikofen, Versuchsperiode 1994-1999

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