Die pfluglose Bearbeitung beeinflusst wie andere Bewirtschaftungsverfahren die Populationsdynamik der Unkräuter, so dass sich Artenzusammensetzung und Dichte der Unkrautflora nach einer Umstellung verändern (PALLUT 2003). Bei einem Wechsel zu pflugloser Bodenbearbeitung ist nach STEMANN (2001) die Abnahme zweikeimblättriger Arten und die Zunahme einkeimblättriger Arten (Gräser wie Ackerfuchsschwanz, jährige Rispe, Trespe) und mehrjähriger Wurzelunkräuter (Quecke, Distel) zu erwarten.

Insgesamt wird festgestellt, dass eher die Art der Unkrautbekämpfung und der Fruchtfolgegestaltung als das Bodenbearbeitungssystem die Verunkrautung beeinflusst. Neben einer Anpassung des Herbizideinsatzes empfehlen sich ergänzende, an die Bodenbearbeitungsweise angepasste Maßnahmen zur Unkrautbekämpfung, wie beispielsweise Fruchtfolgen und oberflächliche Bodenbearbeitung zur Förderung des Auflaufens.

Bodenbearbeitung: Wegfall des Wendens und veränderte Keim- und Auflaufbedingungen beeinflussen das Unkrautwachstum

Die Veränderung der Unkrautflora hängt auf der einen Seite mit dem Wegfall des Wendens zusammen und auf der anderen Seite damit, dass sich die Keimungs- und Auflaufbedingungen für Kulturpflanzen und Unkräuter verändern, wodurch bestimmte Unkräuter einen Konkurrenzvorteil erlangen.

Die Bodenbearbeitung wirkt sich auf die Tiefenlage der Samen im Boden und auf den Zustand der Bodenoberfläche aus. Geräte wie der Grubber oder der Kultivator halten die Unkrautsamen in den oberen Bodenschichten, auch wenn sie mehr als 10 cm tief arbeiten, und gestatten somit deren Keimung und Aufgang sowie eine anschließende Herbizidanwendung. Schon nach zwei Arbeitsgängen mit diesen Lockerungsgeräten befinden sich 90% der Samen in den obersten 10 Zentimetern. Rhizome werden näher an der Bodenoberfläche belassen, was einen frühereren Auflauf und kräftigeres Wachstum ermöglicht (Debaeke & Orlando, 1994). Mayor & Maillard (1995) stellen fest, dass Lockerungsgeräte bezüglich der Reduktion des Unkraut-Samenvorrats im Boden effizienter sind als der Pflug.

Bei Direktsaat dürften sich aufgrund der Mulchschicht das fehlende Sonnenlicht und der schlechte Bodenkontakt des Saatguts nachteilig auf das Auflaufen von Unkräutern zwischen den Reihen auswirken. Die Lage der Unkrautsamen an der Bodenoberfläche dürfte deren jährliche Abbaurate erhöhen und damit die durchschnittliche Lebensdauer  verringern (Mamarot, 2004). So wird bei Mulchauflage von geringeren Auflaufraten und späteren Auflaufterminen berichtet (Stemann, 2001; Garbe, 2001; Pallut, 2003; Emmerling & Hampl, 2003; Buchner & Köller, 1990; Lindemann, 1998; Tebrügge, 2001).

Auswirkungen auf verschiedene Unkrautarten

Insgesamt sind folgende Veränderungen der Unkrautflora durch reduzierte Bodenbearbeitung zu beobachten

  • Zunahme einkeimblättriger Arten (Jährige Rispe, Ackerfuchsschwanz, Trespenarten) und mehrjähriger Wurzelunkräuter (Quecke, Kratz- und Gänsedistel)
  • Abnahme zweikeimblättriger Unkräuter
  • Aufkommen von Ruderalunkräutern (Weidenröschen, Storchschnabel, Huflattich)

Bei empfindlichen Samen (Fuchsschwanz, Trespe, Klettenlabkraut, u.a.) führt der Aufenthalt in der Tiefe zu größeren Verlusten. Das regelmäßige Pflügen, mit dem die im Vorjahr vergrabenen Samen wieder heraufgeholt werden, ist nicht immer die wirksamste Lösung, um diese Samen zu zerstören. Bei den robusteren Samen (Klatschmohn, Kamille, zweikeimblättrige Frühjahrskeimer) sind die Effekte der Bodenbearbeitungsverfahren auf die Überlebensrate wesentlich weniger klar (Jouy & Munier-Jolain, 2001).

Kleine Unkräuter werden von pflugloser Bearbeitung begünstigt (Debaeke & Orlando, 1994), ebenso wie die mehrjährigen Samen- und Wurzelunkräuter (Soltner, 2000), welche sich nur bei der Reihenfrässaat, nicht jedoch bei Direktsaat ausgebreitet haben (Mayor & Maillard, 1995). Durch Direktsaat wird die Ausbreitung einjähriger Gräser (Fuchsschwanz, Trespe) in Getreide verschärft (Debaeke & Orlando, 1994).
Die stärkste Verunkrautung mit Wurzelunkräutern zeigte sich bei reduzierter Bodenbearbeitung in Fruchtfolgen mit Sommerungen, bei denen das System der vegetativen Vermehrung der Unkräuter nicht gestört wird. In diesen Fällen scheint eine Nachernte-Behandlung mit systemischen Herbiziden, sobald genügend Wiederaustrieb vorhanden ist, angebracht. Die Bodenbearbeitung kann dann 10 Tage danach erfolgen (Labreuche, 2001).

Andere Faktoren beeinflussen die Verunkrautung z.T. mehr...

Einfluss der Unkrautbekämpfung

Die Verunkrautung ist eher das Ergebnis der Qualität der Unkrautbekämpfung als das der verwendeten Bodenbearbeitungstechnik (Le Garrec, 2003 ; Mamarot, 2004; Mayor & Maillard, 1995). Die Unkrautflora verarmt bei reduzierter Bodenbearbeitung durch Abnahme des Samenvorrats im Boden und spezialisiert sich, aber es gibt keine systematischen Effekte. Der Effekt der Unkrautbekämpfung dominiert gegenüber dem der Bodenbearbeitung bei Fuchsschwanz und ist gleich Null bei Flughafer. Der Effekt der Bodenbearbeitung ist dominant bei der Vogel-Sternmiere (Rameau & Viron, 1992; Verdier, 1990).

Einfluss der Fruchtfolgegestaltung

Einige Fruchtfolgen bereiten wenig Verunkrautungsprobleme bei reduzierter Bodenbearbeitung, z.B. Mais-Weizen im Gegensatz zu Mais-Mais. Der Einbau einer Zwischenfrucht wird erleichtert bei geringen Auswirkungen auf die Kosten der Unkrautbekämpfung (Labreuche, 2001; Mayor & Maillard, 1995). Die beobachteten Verunkrautungsprobleme sind eher auf die Qualität der Unkrautbekämpfung in der Haupt- und Zwischenfrucht als auf die verwendete Art der Bodenbearbeitung zurückzuführen. Bei Monokultur sind die Verunkrautungsprobleme spezifischer und schwieriger zu bewältigen (Mamarot, 2004). Die Zunahme annueller Ungräser wie Fuchsschwanz und Trespe in Getreidefruchtfolgen wird durch Direktsaat verschärft (Debaeke & Orlando, 1994).

PALLUT (2003) konnte in einem zehnjährigen Dauerversuch mit Wechsel zwischen Blatt- und Halmfrucht den Unkrautauflauf (Dikotyle und Windhalm, Apera spica-venti) um 50% verringern, was er auf den geringeren Samenvorrat im Oberboden zurückführte. In der getreidebetonten Fruchtfolge zeigte sich hingegen ein stark gesteigerter Auflauf von Windhalm.

Mit der Reduzierung der Bearbeitungsintensität nimmt nach LINDEMANN (1998) auch der Unkrautdruck ab, da weniger Stickstoff mineralisiert wird. Zusätzlich können durch Zwischenfrüchte und damit verbundene Nährstoff- Wasser- und Lichtkonkurrenz Unkräuter unterdrückt werden.

Herbizideinsatz

Generell ist bei Mulch- und Direktsaat ein Herbizideinsatz zur Unkrautregulierung üblich, wenn auch ökologisch umstritten. Die bei pflugloser Bodenbearbeitung an der Oberfläche gehaltenen Unkrautsamen ermöglichen bei ihrem Auflaufen eine Herbizidbehandlung.

Eine wichtige Rolle spielt der Einsatz von Totalherbiziden wie Round up, Basta, Grammoxone. Die Verwendung von Totalherbiziden ist laut Debaeke & Orlando (1994) und Mayor & Maillard (1995) zu bevorzugen. Ausfallgetreide und Unkräuter werden vor der Einsaat, besser sogar erst nach der Direktsaat vor dem Auflaufen der Kulturpflanzen durch die Herbizidanwendung beseitigt. STREIT (2000) empfiehlt den Einsatz von 3-5 l/ha Glyphosat als wertvolle Ergänzung der Pflanzenschutzmaßnahmen, die allerdings nicht automatisch einen Mehraufwand an Herbiziden bedeuten muss, da nachfolgende Spritzungen eingespart werden können. Untersuchungen von KLIK et al. (2002) in Österreich beschreiben sogar Einsparungsmöglichkeiten im Herbizideinsatz bei Mulch- und Direktsaat. Vereinzelt müssten laut SCHULZE & GRIMM (2000) bei Direktsaat höhere Aufwandmengen von Totalherbiziden appliziert werden, deren Wirkung im Ökosystem kritisch zu betrachten ist, da die positive ökologische Leistung einer pfluglosen Bestellung dadurch verringert wird.

Bei starker Verunkrautung mit Wurzelunkräutern scheint eine Nachernte-Behandlung mit systemischen Herbiziden, sobald genügend Wiederaustrieb vorhanden ist, angebracht (Labreuche, 2001).

In der Praxis ist der Gebrauch von Totalherbiziden bei reduzierter Bodenbearbeitung jedoch nicht allgemein üblich: 14% der Körnermaisfläche sind betroffen (Trocherie & Rabaud, 2004). Bestimmte Verunkrautungen sind nicht nur von der Bodenbearbeitung abhängig: 20% der Maisanbaufläche im Oberelsass, mehrheitlich gepflügt, wurde im Jahr mit spezifischen Mitteln gegen Wurzelunkräuter behandelt (Agreste Haut-Rhin, 2004).

Wirksamkeit von Bodenherbiziden kann vermindert sein

Bodenbearbeitungsverfahren beeinflussen die Wirksamkeit und die Persistenz von Herbiziden (keine Verdünnung im Profil) (Debaeke & Orlando, 1994). Die Bindung von Wirkstoffen an eine erhöhte Menge von Mulch- und Humusmaterial, deren Inaktivierung durch Humuskomplexe und schnellere Abbautraten durch höhere biologische Aktivität können die Wirksamkeit der Herbizide bei pflugloser Bodenbearbeitung einschränken.

Eine verminderte Selektivität der Mittel bei pfluglosen Verfahren wird auf eine ungleichmäßige Saatgutablage zurückgeführt (insbesondere bei Direktsaat).

Die Auswahl der Sätechnik, Einstellung und Stoppelbearbeitung vor der Saat sind zu beachten (Bordes et al., 2001).

Herbizide und Gewässerbelastung

KANÉ (2000) betont, dass bei Direktsaat weniger Auswaschung von Agrochemikalien als in der Pflugvariante festgestellt wurde. Die von DÜRING et al. (2001) festgestellte verminderte Planzenschutzmittelverlagerung bezieht sich auf die verminderte Matrixsickerung und die höhere Sorptionsfähigkeit konservierend bearbeiteter Böden, die vermutlich in der Hauptsache auf den höheren Gehalt an organischer Substanz begründet ist. Außerdem werden durch die höhere biologische Aktivität in konservierend bearbeiteten Böden Pflanzenschutzmittel zum Teil schneller von Bodenmikroorganismen abgebaut. Über die hohe Anzahl von schnell dränenden, kontinuierlichen Makroporen kann dieser Effekt nach EHRMANN (2000) allerdings kompensiert werden, da schnell über Makroporen abfließendes Wasser nicht durch den Boden gefiltert wird.

Weiterlesen:

Auswirkungen auf die Verlagerung von Pflanzenschutzmitteln

Praxis: Strategien der Unkrautregulierung

Vorstehend zitierte Autoren und deren Versuchsbedingungen

(Agreste Haut-Rhin, 2004) Landwirtschaftsstatistik
(Bordes et al., 2001) Frankreich
(Buchner & Köller, 1990)
(Debaeke & Orlando, 1994) Frankreich - Pflug/flache Bearbeitung/Direktsaat - ITCF - Langzeitversuch Grignon
(Emmerling & Hampl, 2003) D - Pfalz: ökologischer Landbau
(Garbe, 2001) D - NRW
(Jouy &B14 Munier-Jolain, 2001) Frankreich
(Labreuche, 2001) F-Boigneville: Langzeitversuch - gut drainierter toniger Lehm
(Le Garrec, 2003) F-Indre et Loire, Côtes d'Armor - Auf Grundlage von Betriebserhebungen - Deltameq und Indigo
(Lindemann, 1998) Mulchsaat zu Sonnenblumen
(Mamarot, 2004) F - Midi-Pyrénées - Weizen- und Mais-Monokultur, Fruchtfolge Durumweizen - Sonnenblumen
(Mayor & Maillard, 1995) CH - Changins - Weizen/Raps/Weizen/Mais
(Pallut, 2003) Mulchsaat
(Porte-Laborde et al., 2002) F-Boigneville (tL) Langzeitversuch / F-Midi-Pyrénées (boulbènes)
(Rameau & Viron, 1992) F-Coings (ITCF) - 1985-1990 - Fruchtfolge Raps, Weizen, Gerste
(Soltner, 2000) Welt
(Stemann, 2001)
(Streit, 2000) Direktsaat in der Schweiz
(Tebrügge, 2001) Direktsaat
(Trocherie, Rabaud, 2004) Frankreich - SCEES-Erhebungen
(Verdier, 1990) F-Baziège - Fruchtfolge Sorghum, Sonnenblumen, Weizen

 

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